Die Y&R Group zu Besuch bei Google, Facebook, Twitter und LinkedIn

3 years ago by in International, Social Media, Trends

Was haben Google, Facebook, Twitter und LinkedIn gemeinsam? Sie alle haben ihre Europazentrale in der irischen Hauptstadt Dublin. Eine 13-köpfige Delegation der Y&R Group Switzerland hat sich vor Ort über die neusten Möglichkeiten informiert, wie man diese Social-Media-Plattformen optimal für das Marketing nutzen kann.

«Essen und Getränke sind für unsere Mitarbeiter kostenlos. Bitte bedient Euch einfach!» Diesen Satz bekamen wir so ähnlich an allen vier Unternehmen zu hören, die wir besucht haben. Auch sonst entsprechen die Büros weitgehend den Klischees, die man aus den Medien kennt: Junge, motivierte Menschen unterschiedlichster Nationalität tummeln sich ungezwungen in phantasievoll ausgestalteten Büros, diskutieren in kleinen Gruppen oder sitzen konzentriert vor ihrem Notebook. Es herrscht College-Atmosphäre, Kravatten sieht man hier keine, dafür immer wieder einmal einen Billardtisch oder eine Game-Konsole.

Google: Mehr als eine Suchmaschine

Auch wenn Google verschiedenste Plattformen betreibt: Die Suchmaschine ist nach wie vor die Cash-Cow des Unternehmens. Die Mehrheit der über 4’500 Google-Mitarbeiter in Dublin sind keine Entwickler, sondern Sales People, die Grosskunden bei AdWords-Kampagnen beraten. Und in diesem Geschäft ist Google nach wie vor unangefochten, so dass uns unser Gastgeber Yves Brunschwiler nicht mit den üblichen Sales Slides bearbeitet hat. Stattdessen nutzt er die Gelegenheit, um uns einen kleinen Einblick in die Innovationskultur von Google zu geben.

Die Ergebnisse dieser Innovationskultur sind tatsächlich beeindruckend, wenn man etwa an Street View, den Self Driving Car oder an Glass denkt. Viele Projekte wie z.B. Project Ara oder Project Soli haben zwar noch keine marktreifen Produkte hervorgebracht, und einige – wie z.B. die Sidewalk Labs – sind erst in Entstehung begriffen. Und doch zeigen sie zwei Dinge: Erstens dass Google den Willen (und die Ressourcen) hat, um eine Vielzahl solcher Projekte zu verfolgen. Und zweitens dass diese Projekte zwar immer mit Technologie, aber oft nur noch am Rande mit dem World Wide Web zu tun haben. Google lebt von Google Search – aber Google ist weit mehr als ein Suchmaschinenbetreiber.

Twitter: Dialogplattform für TV-Zuschauer

Wenn man von Google kommt, dann wirken die Büros von Twitter bescheiden, sowohl von ihrer Grösse als auch von ihrer Aufmachung her. Das passt irgendwie zu einer Plattform, welche nur Posts mit maximal 140 Zeichen Länge zulässt. Was allerdings die Werbemöglichkeiten angeht, so hat Twitter in den letzten Jahren mächtig aufgerüstet. In der Schweiz, wo die Benutzerschaft von Twitter noch überschaubar ist, werden diese Möglichkeiten allerdings noch selten genutzt.

Im Vergleich zu Facebook geben die Benutzer bei Twitter weniger Informationen über sich selbst preis, und somit ist auch das Targeting weniger mächtig. Trotzdem kann Twitter Werbebotschaften aufgrund von Interessen, Sprache, geografischem Standort sowie Geschlecht der Benutzer ausspielen. Und für die Vermarktung von Apps gibt es Anzeigenformate, deren Call-to-Action Button direkt in den App Store führen.

Eine interessante Besonderheit von Twitter besteht gemäss Tom Fox auch darin, dass Twitter häufig parallel zum Fernsehkonsum genutzt wird. Am Sonntagabend beispielsweise kommentieren viele «Tatort»-Zuschauer die laufende Episode über Twitter. Dies bietet interessante Möglichkeiten für Werbetreibende, mit ihren Zielgruppen in einen Dialog zu treten.

Facebook: Permanente Optimierung der Werbeformate

Die über 1’000 Angestellten von Facebook residieren in einem brandneuen Gebäudekomplex am Grand Canal Square, der vom Stararchitekten Daniel Libeskind entworfen wurde. So bunt, vielfältig und verspielt wie die Inhalte der Plattform sind auch die Büroräume. So haben beispielsweise einzelne Teams in ihrem Arbeitsbereich kleine Bars aufgebaut, an der sie die Woche bei einem Bier ausklingen lassen können.

Aus Sicht von Facebook verändert sich sich das Nutzungsverhalten im Internet – nicht zuletzt wegen der zunehmenden Bedeutung der Mobile Devices. Wie uns Enno Jönsson erklärte, werden Inhalte weniger oft gezielt gesucht, sondern aus personalisierten Feeds (wie beispielsweise dem Facebook News Feed) konsumiert. Entsprechend wird auch Werbung zunehmend in den News Feed integriert.

Dank der detaillierten Benutzerprofile ist Facebook der Traum eines jeden Marketeers. Zudem lassen sich diese Profile mit Kundendaten aus der eigenen CRM-Datenbank matchen und mit weiteren Informationen anreichern. «To reach more of the right people» – diese zentrale Hausforderung der Marketingkommunikation lässt sich mit den Targeting-Möglichkeiten von Facebook einfacher denn je bewältigen. Daneben entscheiden aber auch die Werbeformate, wie effizient Facebook-Kampagnen sind, und hier bietet Facebook verschiedene Möglichkeiten, die zudem laufend optimiert werden. Besonders erfolgreich sind derzeit die Carousel Ads. Zudem sieht sich Facebook als führend im Bereich des Cross Device Trackings.

LinkedIn: Das Geschäft mit dem Economic Graph

Am gleichen Tag wie wir besuchte auch der LinkedIn CEO Jeff Weiner die Europazentrale seines Unternehmens. Trotzdem nahm sich Seraina Vogel die Zeit, uns die Besonderheiten von LinkedIn gegenüber anderen Social-Networking-Plattformen zu erklären.

Der Anspruch von LinkedIn besteht darin, den Economic Graph abzubilden, d.h. alle relevanten Daten über die globale Wirtschaft zu speichern. Zentral sind dabei Members, Companies, Jobs, Skills, Schools und Knowledge. Entsprechend verdient LinkedIn nicht nur mit Online-Werbung Geld, sondern auch mit Stellenanzeigen und mit Tools, um Bewerbungen zu verwalten und potentielle Kandidaten aktiv anzugehen. Ein weiteres Standbein hat LinkedIn kürzlich mit dem Video-Tutorial-Anbieter Lynda.com akquiriert.

Werbung kann bei LinkedIn nicht nur auf der Plattform selbst geschaltet werden, sondern auch auf einem globalen Anzeigen-Netzwerk, das Display-Anzeigen auf rund 2’500 Publisher-Plattformen ausspielt. Dieser Schritt wurde möglich dank der Akquistion von Bizo im Jahr 2014. Ähnlich wie Facebook mit Atlas über die Grenzen der eigenen Social-Media-Platform hinaus Werbung verkaufen will, so will auch LinkedIn im Online-Werbegeschäft weiter wachsen. Und ganz offensichtlich geht diese Strategie auf, denn neben dem etwas in die Jahre gekommenen Bürogebäude wird gerade die Baugrube für den neuen Firmensitz ausgehoben…