WebSummit 2017: Fliegende Autos, sprechende Roboter – und im Marketing bleibt alles beim neuen Alten

1 year ago by in Technologie, Trends

Nach eigener Aussage ist der WebSummit heute «The largest tech conference in the world». Tatsächlich ist die Konferenz innerhalb von nur sechs Jahren von 400 auf über 60’000 Teilnehmer gewachsen und zeigt damit, wie stark Technologie für die gesamte Gesellschaft an Bedeutung gewinnt.

Innerhalb von drei Tagen (wenn man die Eröffnungszeremonie am Vortag nicht mitzählt) präsentieren und diskutieren über 1000 Speaker auf 20 Bühnen eine Vielzahl von Themen rund um technologische und davon beeinflusste gesellschaftliche bzw. politische Trends. So fanden einige der grössten Namen der Tech-Szene den Weg nach Lissabon, darunter Intel CEO Brian Krzanich, Oracle CEO Mark Hurd, Microsoft Präsident Brad Smith, Reddit CEO Steve Huffman, Slack Co-Founder und CEO Stewart Butterfield, Facebook und Asana Co-Founder Dustin Moskovitz und Booking.com Präsident und CEO Gillian Tans – um nur einige zu nennen.

Aus der politischen Sphäre fanden sich unter anderem Grössen wie der frühere Vize-Präsident der USA Al Gore, die EU-Kommissarin für Wettbewerb Margarethe Vestager, der Premierminister Portugals Antonio Costa und der frühere französische Präsident François Hollande.

Aber auch eine Reihe bekannter Persönlichkeiten aus anderen Sphären nahmen an dem Stelldichein ein teil, unter anderem Schwergewichts-Champion Wladimir Klitschko, Supermodell Sara Sampaio, der Schachweltmeister Garry Kasparov, der Musiker Wyclef Jean und – als Überraschungsgast der Eröffnungsfeier – Stephen Hawking.

Artifical Intelligence – Fluch oder Segen?

Die Vielzahl der Themen des WebSummits lässt sich kaum darstellen. Aber ein Thema stand dieses Jahr klar im Vordergrund: Künstliche Intelligenz (engl. Artificial Intelligence, kurz AI).
Die vielfältigen Anwendungsbereiche von Künstlicher Intelligenz wurden sowohl von zahlreichen Start-Ups als auch von etablierten Playern deutlich gemacht. Stephen Hawkings Eröffnungsrede widmete sich ebenfalls diesem Thema – mit einer deutlichen Warnung: Es sei nicht klar ob AI der Menschheit in Zukunft helfe oder zu einer Gefahr für uns werde.

Einer der vielbeachteten Vorträge war die Diskussion zwischen den Robotern Sophie und Einstein sowie dem Robotik- und AI-Forscher Ben Goertzel. Sein verwegener Plan: Das verbinden vieler spezialisierter AIs über die dezentrale Technologie der Blockchain, auf die jeder über Smart Contracts zugreifen kann. Der Token-Sale des Projektes am 29. November wurde im Rahmen des Vortrages angekündigt. Der Roboter Sophie, dem vor kurzem in Saudi-Arabien die Bürgerrechte anerkannt wurden, sprach dabei aus, was wohl viele zu dem Thema denken, nämlich dass AI-gesteuerte Roboter «eigentlich harmlos» seien, uns aber in Zukunft unsere Jobs wegnehmen würden – eine Aussage, der die Teilnehmer des WebSummits in einer nicht repräsentativen Umfrage mehrheitlich zustimmen.

Den gesamten Vortrag gibt es hier als Video.

Das neue Marketing 2018

Auch für das Marketing gewinnt AI an Bedeutung. So gab es kaum ein Marketing-Panel ohne Bezug auf Voice-Assistants und Chat-Bots. Weil sich das menschliche Medienverhalten verändert, müssen sich auch Marketing-Verantwortliche anpassen. So erläuterte Hubspot CEO Brian Halligan, dass der Erfolg seiner Firma (welche Tools für das Inbound-Marketing anbietet) darauf basiert, dass die Menschen heute zunehmend Blogs und Social Media statt Magazine und Zeitungen nutzen. Der Medienkonsum verändert sich aber auch in zahlreichen anderen Aspekten: Es werden immer weniger Texte gelesen, dafür mehr Videos geschaut; statt organischer Suchergebnisse werden zunehmend bezahlte Anzeigen geklickt; es werden weniger Formulare ausgefüllt, dafür wird eher gechattet; und statt per E-Mail wird zunehmend per Messenger kommuniziert. In Zukunft möchte sich niemand mehr durch Webseiten klicken, um nach der richtigen Information zu suchen, sondern man erwartet konversations-basierte Unterstützung. Halligan sieht eine grosse Chance für Marketing-Verantwortliche, die diese Trends frühzeitig aufgreifen und im Sinne des Kunden einsetzen.

WebSummit 2017

Auch Mark Hurd, CEO von Oracle, ist überzeugt, dass sich die Art und Weise, wie wir mit unseren Computern und Smartphonse interagieren, wesentlich verändern wird. Seine Kernthese lautet: «People in the future will look back and wonder why we would push all of this information to a little piece of glass. The new interaction will be voice, optical and all sorts of capabilities.»

Zurück zu den Grundlagen

Der WebSummit beschäftige sich aber nicht nur mit der technologischen Entwicklung im Marketing, sondern er besann sich auch auf die Grundlagen von Werbung und Marketing sowie den Wert der Kreativität. Besonders vehement wurde dieser Punkt von Industrieveteranen wie John Hegarty, Co-Founder und Creative Director BBH&Whalar, und Susan Credle, Creative Director FCB Global, in ihren Vorträgen und im Panel «Marketing 2018: What to expect?» vertreten. Aber auch Joe Zadawadzki, CEO des Programmatic Advertising Anbieters MediaMath, plädiert in seinem Vortrag «The future is magic: Making marketing that people love» auf eine Rückbesinnung zum Kreativen.

WebSummit 2017

Credle führt dazu aus: «For the last 15 to 20 years we have been slowly experimenting with a lot of things and forgetting the fundamentals of what marketing and advertising really is: just being creative business problem solvers to partners and clients.»

Hegarty pflichtet dem bei und fügt an: «The industry has been confused between promotion and persuasion. And we haven’t understood as an industry that you have to persuade before you can promote. As brilliant as all this technology is – and it is absolutely incredible – unless you really understand the basics of brand building, then you will not succeed into the future. Principles remain, practices change. So the fundamental principles have to be rediscovered, because they have been lost. One of the problems we have today: A huge number of marketing directors, who have grown up in the digital age, actually don’t understand persuasion.»

Die sehr empfehlenswerte Diskussion kann man sich hier anschauen.

Was bleibt?

WebSummit 2017

Der WebSummit ist aufgrund seiner schieren Grösse eine überwältigende Veranstaltung, bei der man sich damit abfinden muss, nur einen Bruchteil von dem mitzuerleben, was gerade passiert. Viel erfährt man als Konferenzteilnehmer vom Hörensagen und über die sozialen Medien. Es werden jedoch eine Reihe von Möglichkeiten geboten, sich auch ausserhalb der Konferenz auszutauschen. Besonders wertvoll sind die vielen Gespräche, die – inspiriert durch die Konferenz am Tage – in den Mittagspausen, am NightSummit oder an einem der vielen Neben-Events und Dinners stattfinden. Wir von Futurecom nehmen die Verbindung aus Technologie und Kreativität mit ins kommende Jahr und freuen uns auf den WebSummit 2018!